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Pertussis

Impfkompass 

Der Keuchhusten (Pertussis) ist weiterhin eine häufige und wichtige bakterielle Infektionskrankheit. Klinisch manifestiert er sich im Respirationstrakt und führt dort altersabhängig zu unterschiedlich schweren klinischen Verlaufsformen. Besonders gefürchtet und lebensbedrohlich ist der Keuchhusten in den ersten 6 Lebensmonaten. Die Symptomatik wird durch verschiedene Toxine des Bakteriums verursacht. Der Mensch ist der einzige natürliche Wirt und nicht- oder teilimmune Personen stellen das wichtigste Reservoir für die ständige Zirkulation des Erregers dar. Eine antibiotische Therapie zeigt nur innerhalb der ersten Erkrankungstage eine gewisse Wirksamkeit. Der Pertussis-Impfstoff enthält mehrere hoch gereinigte Toxine des Erregers ohne dessen sonstige Bestandteile (sog. azellulärer Impfstoff), wodurch eine wesentlich bessere Verträglichkeit als bei den früheren Ganzkeim-Impfstoffen erreicht werden konnte. Durch die Keuchhusten-Impfung kann ein individueller Schutz gegen Keuchhusten und ein Kohortenschutz erreicht werden, so dass auch nicht geimpfte Personen (insbesondere Säuglinge < 3 Monaten) vor einer Übertragung geschützt sind.

Informationen über die zu verhütende Krankheit 

Erreger, Übertragung und Verbreitung  

Der Erreger des Keuchhustens ist ein gramnegatives Stäbchenbakterium, Bordetella pertussis. Er ist weltweit verbreitet. Der Mensch ist der einzige bekannte natürliche Wirt und stellt auch das Reservoir des Erregers dar. Der Erreger ist gegenüber Umwelteinflüssen sehr empfindlich, die Übertragung erfolgt direkt von Mensch zu Mensch über ausgehustete Tröpfchen. Der Keuchhusten besitzt eine hohe Kontagiosität. Nicht-immune Personen erkranken in 50 bis 100% nach entsprechender Exposition. In den letzten Jahren wurde eine deutliche Veränderung der Epidemiologie der Pertussis beobachtet. Nachdem Säuglinge und Kleinkinder zum Großteil einen durch die Impfung induzierten Immunschutz aufweisen, wird die Pertussiserkrankung zunehmend bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen beobachtet, die auch die wichtigste Infektionsquelle für Neugeborene darstellen.

 

Inkubationszeit und Krankheitsbild  

Die Inkubationszeit des Keuchhustens liegt bei 1 bis 2 Wochen. Eine ganze Reihe von Toxinen und Virulenzfaktoren spielen für die Entstehung des Krankheitsbildes eine Rolle. Das Filamentöse Hämagglutinin (FHA) ist wichtig für die Anheftung des Erregers an die Oberfläche respiratorischer Epithelzellen. Pertussis-Toxin (PT) wirkt lokal durch Schädigung des Epithels und durch Hemmung der Phagozytose, durch Lymphozytenvermehrung und systemisch durch Fieberinduktion. Weiterhin beteiligt sind Pertactin (PRN) und Fimbrien-Antigene (FIM2/3) und eine Reihe weiterer Toxine. Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch 3 Stadien:
Stadium catarrhale: Entzündungszeichen der respiratorischen Schleimhaut mit Rhinorrhoe, Konjunktivitis, Augentränen, erhöhter Temperatur 
Stadium convulsivum: Paroxysmaler Husten mit staccato-artigen Hustensalven unterbrochen von inspiratorisch-pfeifendes Ziehen. Bei Säuglingen meist kein typischer Husten, sondern lebensbedrohliche apnoische Zustände. 
Stadium decrementi: Abklingende Hustenanfälle, die über Monate hinweg durch äußere Anlässe ausgelöst werden können.
Der Keuchhusten hinterlässt eine Immunität, die im Verlauf von Jahren abnimmt. Teilimmune Personen erkranken meist nicht mehr unter der schweren Verlaufsform. Meist tritt eine uncharakteristische, lang anhaltende, quälende Hustensymptomatik auf.

 

Behandlungsmöglichkeiten 

Eine Prophylaxe der Keuchhustensymptomatik durch Antibiotika (Makrolide, Azalide) ist nur in den ersten 5 Tagen nach der Infektion Erfolg versprechend.
Der Krankheitsverlauf und die Rate an Komplikationen können durch eine frühzeitige Antibiotika-Therapie abgekürzt bzw. reduziert werden. Weiterhin nimmt die Infektiosität schnell ab und die Infektkette wird unterbrochen.
Im Stadium convulsivum ist der Einfluss einer Antibiotika-Therapie gering und dient in erster Linie zur Vermeidung von bakteriellen Superinfektionen.

 

Nutzen der Impfung für das Individuum und die Allgemeinheit 

Der azelluläre Impfstoff besitzt eine Schutzwirkung von 80 bis 90% und stellt damit eine effektive Individualprophylaxe dar. Durch eine Kohortenimmunität kann weiterhin die Zirkulation von Bordetella pertussis deutlich eingeschränkt werden und damit auch ein Kohortenschutz aufgebaut werden. 
Nach engen Kontakten zu infizierten oder erkrankten Personen wird ungeimpften und geimpften Personen eine Chemoprophylaxe empfohlen, die mit ungeimpften Säuglingen oder gefährdeten Personen mit Grunderkrankungen in engen Kontakten leben.

Verfügbare Impfstoffe

Die jeweilige Applikationsart bzw. das Dosierungsschema erhalten Sie durch klick auf den von Ihnen gewählten Impfstoff.

 

Kombinationsimpfstoffe

DTaP: Infanrix®
TdaP: Boostrix®, COVAXIS®
TdaP-IPV: Boostrix®Polio, REPEVAX®
DTaP-Hib-IPV: Infanrix® - IPV + Hib, PENTAVAC®
DTaP-HiB-IPV-HB: Infanrix hexa™

Es stehen azelluläre Kombinationsimpfsotffe für verschiedene Altersgruppen zur Verfügung. Diese Impfstoffe enthalten verschiedene Komponenten des Pertussis-Erregers, die in der Pathogenese eine wichtige Rolle spielen. Alle azellulären Impfstoffe enthalten Pertussis-Toxoid (inaktivierte Form des Pertussis-Toxins) und filamentöses Hämagglutinin (FHA). In einem Teil der Impfstoffe sind weiterhin Pertaktin und Agglutinogen als weitere Komponenten enthalten. Für Säuglinge ab vollend. 2. LM ist die Keuchhusten-Impfung als Kombinations-Impfstoff zusammen mit Tetanus, Diphtherie (Dreifach-Impfstoff), Hib (als Fünffach-Impfstoff) und noch mit Hepatitis B (als Sechsfach-Impfstoff) verfügbar. Für Personen ab vollend. 3. Lj stehen Kombinationsimpfstoffe mit Tetanus und Diphtherie zur Verfügung (als Dreifach-Impfstoff), für Personen ab vollend. 4. Lj noch mit Poliomyelitis (als Vierfach-Impfstoff).


Da in Deutschland kein monovalenter Pertussis-Impfstoff mehr zur Verfügung steht, gibt es derzeit Probleme bei der praktischen Umsetzung der Pertussis-Impfstrategie. Folgendes Vorgehen wird deshalb empfohlen: Die empfohlene Auffrischimpfung im Jugendalter kann mit jedem für diese Altersgruppe zugelassenen Impfstoff mit aP-Anteil vorgenommen werden - z. B. mit TdaP oder mit TdaP-IPV. Dabei ist im Sinne des Impfschutzes gegen Pertussis eine Auffrischimpfung im Abstand von 5 bis 10 Jahren zur letzten Pertussis-Dosis sinnvoll. Es gibt Hinweise auf möglicherweise vermehrte Lokalreaktionen, wenn der Abstand zur letzten Tetanus-Impfung weniger als fünf Jahre beträgt, ein geringer Abstand ist jedoch nicht als Kontraindikation zu sehen. Möglich ist eine Impfung auch bei ungeimpften Jugendlichen und Erwachsenen, da aus epidemiologischer Sicht davon ausgegangen werden kann, dass bisher schon ein Erregerkontakt stattgefunden hat. Auch hier unter der Voraussetzung, dass die anderen Komponenten des Impfstoffes indiziert, zumindest aber nicht kontraindiziert sind.

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut veröffentlichte am 3. August 2009 die Empfehlung zur einmaligen Pertussis-Impfung für Erwachsene zusammen mit der nächst fälligen Tetanus- und Diphtherieimpfung. Durch die allgemeine Empfehlung der Tdap-Impfung, bei der nächst fälligen Td-Impfung kann die Krankheitslast bei Erwachsenen in Deutschland reduziert werden.

 

Durchführung 

Eine Dosis beträgt 0,5 ml. Die Injektion erfolgt tief intramuskulär.Impfschema für Säuglinge und Kinder s. aktueller Impfkalender der STIKOKinder, die zu den vorgesehenen Zeitpunkten nicht geimpft wurden und ältere Kinder können jederzeit nachgeimpft werden.

 

Auffrischung 

Bei Kindern/Jugendlichen mit kompletter Grundimmunisierung erfolgt eine Wiederauffrischung im Alter von 5-6 Jahren und im Alter von 9-17 Jahren.

 

Patienteninformation

Sollten Sie für Ihre Patienten ein Informationsblatt zur Aufklärung über Krankheit und Impfung wünschen, so klicken Sie bitte hier.

Angaben zum Impfschutz:  

Über die Gesamtdauer des Impfschutzes gibt es bisher keine Angaben. Ergebnisse verschiedener Studien mit Ganzkeim-Impfstoffen weisen darauf hin, dass die Schutzrate innerhalb von 6 bis 12 Jahren um etwa 50 % sinkt. Es wird vermutet, dass die Dauer des Impfschutzes von azellulären Impfstoffen der von Ganzkeim-Impfstoffen entspricht.

 

Indikationen 

Die Ständige Impfkommission des Bundesgesundheitsamts (STIKO) empfiehlt die Pertussis-Impfung folgenden Personen: 
- alle Säuglinge ab dem vollendeten 2. Lebensmonat 
- alle Kinder im Alter von 5 bis 6 Jahren als eine Auffrischimpfung gegen Tetanus- Diphtherie- Keuchhusten (Tdap) 
- alle Jugendlichen im Alter von 9 bis 17 Jahren als eine Auffrischimpfung gegen Tetanus - Diphtherie - Keuchhusten - Poliomyelitis (Tdap-IPV) 
- alle Erwachsene als Tdap-Impfung bei der nächst fälligen Td-Impfung Bei der Verwendung von Kombinationsimpfstoffen sind die Indikationen und Impfabstände der anderen im Impfstoff enthaltenen Antigene zu berücksichtigen. Eine Impfung sollte möglichst nicht früher als 5 Jahre nach der zuletzt verabreichten Dosis (TD, Td) erfolgen, um das vermehrte Auftreten unerwünschter Lokalreaktionen zu minimieren. Im Zusammenhang mit erkannten Pertussis-Häufungen kann auch bei vollständig geimpften Kindern und Jugendlichen mit engem Kontakt zu Erkrankten in Haushalt oder Gemeinschaftseinrichtungen eine Impfung erwogen werden, wenn die letzte Impfung länger als 5 Jahre zurückliegt. Weiterhin wird die Keuchhusten-Impfung Personen mit einem erhöhten Infektionsrisiko empfohlen: 
- Personal in Pädiatrie, der Schwangerenbetreuung sowie Geburtshilfe, Infektionsmedizin und Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter und Kinderheimen 
- bei fehlendem adäquatem Immunschutz (Impfung oder mikrobiologisch bestätigte Erkrankung innerhalb der vergangenen 10 Jahre)
- Frauen mit Kinderwunsch präkonzeptionell (wenn nicht vor der Konzeption erfolgt bevorzugt in den ersten Tagen nach der Geburt)
- bei Geburt eines Kindes: enge Haushaltskontaktpersonen (Eltern, Geschwister, Tagesmütter, Babysitter, ggf. Großeltern) möglichst 4 Wochen vor Geburt

 

Wechselwirkungen 

Zeitabstände zu anderen Impfungen sind nicht erforderlich.

 

Kontraindikationen 

Kontraindikationen sind eine bekannte Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des Impfstoffs, akute fieberhafte Infektionen und schwere Reaktionen auf voran gegangene Pertussis-Impfungen bis zur endgültigen Abklärung. Bei Kindern mit vorbestehenden neurologischen Grunderkrankungen, die besonders häufig mit zerebralen Krampfanfällen einhergehen, sollte die Impfung mit Vorsicht und unter sorgfältiger Risikoabwägung durchgeführt werden.

 

Nebenwirkungen 

Detaillierte Angaben zu Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Gabe aller in Deutschland zugelassenen Impfungen enthalten die Hinweise für Ärzte zum Aufklärungsbedarf über unerwünschte Wirkungen bei Schutzimpfungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut. Beachten Sie zusätzlich die Packungsbeilage des Herstellers.

 

Weitere Informationen

Pertussis-Impfung im Erwachsenenalter - Neuerung (Epi. Bul. 33 7 17.08.2009)
Empfehlungen der STIKO zur Pertussis-Schutzimpfung (Epi. Bul. 3. Aug 2009/Nr. 31 )