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Röteln

Impfkompass 

Die Röteln-Erkrankung ist eine in der Regel leicht verlaufende virale Infektionskrankheit des Kindesalters, die mit dem Auftreten eines typischen Exanthems einhergeht. Bei Erstinfektion in einer Schwangerschaft können Rötelnembryopathien und konnatale Röteln mit schwersten Folgeschäden auftreten. Der Rötelimpfstoff weist eine sehr gute Wirksamkeit auf, die sich in hohen Serokonversionsraten und langer Schutzdauer äußert.
Obwohl die allgemeine Impfung mit MMR für Kleinkinder seit 1980 empfohlen ist, muss in Deutschland noch mit 100 bis 200 Rötelnembryopathien pro Jahr gerechnet werden.
Mit 2 Impfungen im Kindesalter, für die eine Kombination aus Masern-, Mumps- und Röteln-Impfstoff („MMR“), empfohlen wird, soll eine Durchimpfung der kindlichen Population von mindestens 95% und damit eine Senkung der Erstinfektionen in der Schwangerschaft auf 0,01 pro 1000 Lebendgeburten erreicht werden.

Informationen über die zu verhütende Krankheit

Erreger, Übertragung und Verbreitung  

Erreger der Röteln ist ein umhülltes RNA-Virus aus der Familie der Togaviren. Einziger Wirt und kurzzeitiges Erregerreservoir (in der Inkubationszeit und den ersten Erkrankungstagen) ist der Mensch. Diaplazentar infizierte Neugeborene können das Röteln Virus bis zu 12 Monate ausscheiden.
Das Röteln Virus ist in der Umwelt wenig stabil und wird rasch inaktiviert. Die Übertragung erfolgt daher hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion mit naso-pharyngealen Sekreten bei engem Kontakt zu Erkrankten (Gesicht-zu-Gesicht-Kontakt, Haushaltskontakte, medizinische Kontakte). Das Röteln- Virus besitzt eine deutlich geringere Infektiosität als das Masern- oder Varizella-Zoster-Virus.

 

Inkubationszeit und Krankheitsbild  

Die Inkubationszeit der Röteln beträgt 14 bis 20 Tage. In dieser Zeit vermehrt sich das Virus primär in den Schleimhäuten des Respirationstrakts, breitet sich dann in die regionalen Lymphknoten aus und führt dann über hämatogene Ausbreitung zur Virämie und zur generalisierten Infektion. Ein Großteil der Rötelninfektionen verlaufen subklinisch oder mit kaum registrierten Allgemeinsymptomen und diskretem Exanthem. Der manifesten Erkrankung geht häufig ein katarrhalisches Prodromalstadium voraus. Bei meist nur leichter Temperaturerhöhung beginnt das kleinfleckige Exanthem hinter den Ohren und breitet sich über den gesamten Körper aus. Charakteristisch ist die generalisierte Lymphknotenschwellung, mit besonderer Ausprägung der nuchalen, occipitalen und postaurikulären Lymphknoten. Das Exanthem bildet sich innerhalb weniger Tage zurück, die Lymphknotenschwellung kann über Wochen bestehen.
Bei Kindern verlaufen die Röteln im Allgemeinen komplikationslos. In bis zu einem Drittel der Infektionen bei Frauen können Arthralgien und seltener auch echte Arthritiden auftreten. Seltene (< 1:5.000) Komplikationen der Röteln sind Thrombozytopenien mit Blutungen und Enzephalitiden. Komplikationen treten in zunehmendem Alter häufiger auf.
Bei Schwangeren im ersten Trimenon und seltener auch noch zu Beginn des zweiten Trimenons können Röteln Viren den Embryo/Feten diaplazentar infizieren. Die Virusvermehrung führt zu einer Hemmung der Zellteilung, was sich in Störungen der Organogenese und Missbildungen äußert. Typische Defekte sind Innenohr-Taubheit, Augenschäden (Katarakt, Glaukom) und Herzmissbildungen (sog. Gregg'sche Trias) und geistige Retardierung.

 

Behandlungsmöglichkeiten 

Eine kausale Therapie der Röteln gibt es nicht. Die postnatalen Röteln bedürfen meist auch keiner symptomatischen Behandlung.

Verfügbare Impfstoffe

Die jeweilige Applikationsart bzw. das Dosierungsschema erhalten Sie durch klick auf den von Ihnen gewählten Impfstoff.

 

Monovalente Impfstoffe

Röteln-Impfstoff HDC Mérieux®

Kombinationsimpfstoffe

M-M-R vaxPro®, Priorix®

Die Rötelnvakzine ist ein Lebendimpfstoff und enthält attenuierte Viren, die auf menschlichen diploiden Zellen vermehrt wurden.
Sie ist lyophilisiert, enthält als Begleitstoffe Humanalbumin, Dextran bzw. hydrolysierte Gelatine, Neomycin und wird in 0,5 ml gelöst.

Durchführung 

Der lyophilisierte Impfstoff wird unmittelbar vor Gebrauch mit 0,5 ml Lösungsmittel rekonstituiert und intramuskulär oder subkutan verabreicht. Gelöster Impfstoff muß sofort verwendet werden. Präexpositionelle Impfung:
Impfschema für Kinder mit MMR s. aktueller Impfkalender der STIKOVersäumte Impfungen sind bis zum 18. Lebensjahr nachzuholen. Wenn 2 Impfungen mit MMR nachgewiesen werden, wird heute auf eine zusätzliche Rötelnimpfung bei Mädchen in der Pubertät verzichtet. Postexpositionelle Impfung:
Nach bereits erfolgtem Kontakt von ungeimpften bzw. einmal geimpften Kindern mit Röteln ist eine Inkubationsimpfung oft wirksam, wenn sie innerhalb 72 Stunden nach Exposition erfolgt. Auffrischimpfungen sind nicht notwendig.

 

Angaben zum Impfschutz:  

Drei bis vier Wochen nach der Impfung weisen 95 bis 100% der Geimpften spezifische Antikörper auf. Bei über 90% der Geimpften dürfte die Schutzdauer wenigstens 10 bis 20 Jahre betragen.  

 

Indikationen 

Die Röteln-Impfung ist eine allgemein empfohlene Impfung. Alle Säuglinge ab dem 12. Lebensmonat sollten gegen Röteln geimpft werden (s. STIKO Impfkalender Säuglinge, Kinder, Jugendliche). 
Daneben empfiehlt die STIKO die Röteln-Impfung folgenden Personengruppen:
- Seronegative Frauen mit Kinderwunsch 
- Seronegatives Personal in Einrichtungen der Pädiatrie, Geburtshilfe und 
- Schwangerenbetreuung, sowie von Gemeinschaftseinrichtungen für das 
Vorschulalter- Ungeimpfte oder einmal geimpfte Kinder mit Kontakt zu Rötelnkranken innerhalb von 3 Tagen nach der Exposition.

 

Wechselwirkungen 

Nach der Verabreichung von Immunglobulinen oder Bluttransfusionen sollte ein Zeitraum von mindestens 3 Monaten zu einer Varizellen-Impfung liegen.
Lebendimpfstoffe (Ausnahme orale Typhus-Lebendimpfung) sollten entweder gleichzeitig (an kontralateraler Körperstelle) oder im Abstand von 4 Wochen verabreicht werden. Impfabstände zu inaktivierten Impfstoffen sind nicht notwendig.
Die Reaktivität eines Tuberkulin-Tests kann bei Verwendung eines trivalenten MMR-Impfstoffs durch die Masern-Komponente für bis zu 6 Wochen beeinträchtigt sein.

 

Kontraindikationen 

Nicht geimpft werden dürfen 
- Menschen mit Immundefekten oder unter immunsuppressiver Therapie, 
- Schwangere, 
- Personen mit bekannter Überempfindlichkeit gegen Impfstoffbestandteile, 
- Personen mit akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankungen. 
- Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist ein Konzeptionsschutz von 3 Monaten nach der Impfung einzuhalten. Ein zeitliches Zusammentreffen von Impfung und Schwangerschaft ist jedoch kein Grund für eine Schwangerschaftsunterbrechung.

 

Nebenwirkungen 

Detaillierte Angaben zu Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Gabe aller in Deutschland zugelassenen Impfungen enthalten die Hinweise für Ärzte zum Aufklärungsbedarf über unerwünschte Wirkungen bei Schutzimpfungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut. Beachten Sie zusätzlich die Packungsbeilage des Herstellers.

 

Patienteninformation

Sollten Sie für Ihre Patienten ein Informationsblatt zur Aufklärung über Krankheit und Impfung wünschen, so klicken Sie bitte hier.